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ENTDECKEN - Text Geschichte-Architektur
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Zur Geschichte des Klosters Jerichow

Im Nordosten Sachsen-Anhalts an der Straße der Romanik, unweit der Elbe bei Tangermünde, liegt die Stadt Jerichow mit ihrer knapp 875 Jahre alten Klosteranlage. Das ehemalige slawische Fischerdorf mit Burgwall lag im Mittelalter direkt am Elbstrom. Auch der Ortsname stammt nicht vom biblischen Jericho ab, sondern leitet sich vom slawischen jeri (= keck, forsch) und chow (= Burg, Versteck) ab. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts gelangt das Gebiet zwischen Elbe und Havel in deutschen Besitz. Im Zuge einer großangelegten christlichen Missionstätigkeit entstehen innerhalb weniger Jahrzehnte Dome, Klöster und zahlreiche Dorfkirchen.

Im Jahr 1144 bestätigt König Konrad III. die Gründung des Prämonstratenser-Stifts Jerichow aus Besitzungen der Grafen von Stade, stattet es mit Grundbesitz aus und unterstellt es juristisch dem Bistum Havelberg. Chorherren aus dem Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg gründen die erste Niederlassung im Ortskern nahe der heutigen Stadtkirche. Doch durch den „Tumult des Markttreibens“ wird der Standort bereits 1148 an die heutige Stelle verlegt.

Im Laufe des 12. und 13. Jahrhundert entsteht nun die romanische Klosteranlage mit Basilika, Klausur, zahlreichen Wirtschaftsgebäuden und Umfassungsmauer. Im Zuge der Lutherischen Reformation erfolgt 1552 die Auflösung des Stifts. Aus dem sog. Klosteramt mit ca. 800 ha Grundbesitz entsteht 1680 die kurfürstlich-brandenburgische, ab 1701 königlich-preußische Domäne, die von Pächtern verwaltet und bewirtschaftet wird. Der Versuch einer Wiederbesetzung des Stifts durch die Prämonstratenser während des 30-jährigen Krieges scheitert, als 1631 schwedische und kaiserliche Truppen Stadt und Kloster verwüsten.

Die Stiftskirche, seit dem 16. Jahrhundert als evangelisch-lutherische Kirche genutzt, wird 1685 auf Veranlassung von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg instandgesetzt und einer neu gegründeten Reformierten Gemeinde aus süddeutschen Emigranten überlassen. 1831 kommt es durch Vereinigung mit der Lutherischen Stadtgemeinde zur Gründung der noch heute bestehenden evangelisch-unierten Kirchengemeinde.

1853-57 lässt König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen unter der Leitung von Ferdinand von Quast die Stiftskirche umfassend restaurieren, während die bauhistorisch wertvollen Klausurräume zum Teil noch bis zum 21. Jahrhundert verschiedenen wirtschaftlichen Zwecken dienten.

Die nach dem 1. Weltkrieg zum Staatsgut erklärte Domäne wird noch bis 1945 von Pächtern betrieben, im gleichen Jahr zum Provinzialgut, ab 1949 zum volkseigenen Gut (VEG) erklärt und verliert durch die Bodenreform 370 ha Grundfläche. Mit der politischen Wende 1990 werden die Eigentumsfragen zunächst provisorisch geregelt. Weitgehende Unklarheiten führen nach langjährigen Bemühungen im Jahr 2004 zur Gründung der Stiftung Kloster Jerichow. Damit werden die ehemaligen Ländereien und Bauten des Klosters nach Jahrhunderten wieder zusammengeführt, zentral verwaltet und für eine ökonomische und kulturelle Nutzung erschlossen.

 

Jerichower Land – Wiege des norddeutschen Backsteinbaus

 

Fehlende Natursteinvorkommen östlich der Elbe und bedeutende Bauaufgaben im Kirchenbau begünstigen im 12. Jahrhundert die Entstehung der Backsteinbauweise. Reiche Lehmvorkommen in der Elbniederung bieten beste Voraussetzungen für eine rasche Verbreitung der neuen Technik. Nach dem aufwendigen Aufbereiten, Formen und Trocknen der Rohlinge erfolgt der Brand in sog. Feldbrandöfen. Neben dem Kloster Jerichow entstehen im 12. und 13. Jahrhundert im Jerichower Land mehr als 30 Backstein-Kirchen (so u.a. die Stadtkirchen in Jerichow und Schönhausen, die Dorfkirchen in Redekin, Mangelsdorf, Groß- und Kleinwulkow, Melkow, Schmetzdorf und Wust). Ihre sparsame künstlerische Gestaltung beschränkt sich auf Friese, Lisenen und Portalgewände. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts steht der Backsteinbau noch ganz unter dem Einfluss des traditionellen Natursteinbaus. So werden z.B. Sonderformate nach dem Brand durch Behauen und Schleifen per Hand hergestellt.

Die Backsteinbaukunst erlebt im Jerichower Land in der Zeit der Romanik ihren ersten künstlerischen Höhepunkt und erobert sich in der Zeit der Gotik den gesamten Raum östlich der Elbe. Eine Entdeckungsreise zur „Wiege des norddeutschen Backsteinbaus“, ob mit dem PKW oder dem Fahrrad, lohnt sich jederzeit.

 

Aus der Baugeschichte des Klosters Jerichow

 

Mit dem Standortwechsel 1148 beginnt die Bautätigkeit zunächst mit der dreischiffigen, kreuzförmigen Basilika ohne Westtürme. Parallel dazu schreitet der Bau des Ostflügels der Klausur mit Kapitelsaal und Dormitorium voran. Um 1200 folgt der Einbau einer zweischiffigen Krypta im Ostteil der Kirche bei gleichzeitiger Verlängerung des Schiffes nach Westen und Errichtung der unteren Turmgeschosse. Auch das Winterrefektorium im Südflügel und das sog. Amtshaus im Westflügel der Klausur entstehen in diesem Zeitabschnitt. Erst gegen 1220 schließt sich der Innenhof mit Errichtung des Sommerrefektoriums und des Kreuzganges. Ab 1250 werden die Westtürme im gotischen Stil fortgeführt.

Die monumentale Klarheit und Zweckmäßigkeit der Architektur des 12. Jahrhunderts beeindruckt noch heute außen wie innen. Der großartige, durch den roten Backstein feierlich wirkende Innenraum der Kirche vermittelt ein einzigartiges Raumerlebnis romanischer Sakralarchitektur. Mächtige Rundpfeiler tragen die Arkaden des Mittelschiffes. Über der Krypta mit ihren reich gestalteten Kapitellen erhebt sich der Chorraum mit dem Hochaltar, einst nur den Chorherren des Stifts zugänglich. Auch in den Klausurräumen künden prächtige Kapitelle von der Meisterschaft mittelalterlicher Steinmetzkunst.

Der Klosterhof lädt zu Ruhe und Besinnung ein. Vom umgebenden Kreuzgang sind nur der Süd- und Westflügel erhalten geblieben. Der Ostflügel wurde 1968-70 rekonstruiert und am südlichen Seitenschiff der Kirche sind die Spuren des im 16. Jahrhunderts abgebrochenen Nordflügels zu erkennen.

Die Geschichte der Denkmalpflege am Kloster Jerichow reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Bei der Restaurierung 1853-57 wird der stilreine Innenraum der Kirche wiedergewonnen. Ergänzt werden lediglich die Brüstungsmauer des Chorraumes und die Westempore für eine Orgel. Witterungsschäden erfordern 1955-60 umfangreiche Sanierungsarbeiten am Außenbau und den Türmen der Kirche. Bei dieser Gelegenheit werden die Dächer der Nebenchöre dem romanischen Zustand angepasst. Der gesamte Innenraum erhält nach Originalbefunden einen roten Anstrich. Die Orgel auf der Westempore sowie die Sitzbänke des 19. Jahrhunderts werden entfernt. Unter maßgeblicher Anteilnahme des heutigen Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt folgt ab 1965 die schrittweise Freilegung und Restaurierung der Klausurräume mit Wiederherstellung des mittelalterlichen Innenhofniveaus. 1977 wird der Klausur-Ostflügel beräumt und im Obergeschoß ein Museum eingerichtet. Die Absenkung des Außengeländes am Ostflügel ermöglicht 1987 die Wiederherstellung des Kapitelsaales.

Nachdem 1998 ernsthafte Schäden an den Turmhelmen festgestellt werden, wird 1999-2000 eine umfassende Sanierung erforderlich. Die Maßnahme konnte dank des Engagements des Fördervereins „Erhaltet Kloster Jerichow“ kurzfristig und erfolgreich durchgeführt werden.

2003 werden sämtliche Dächer der Kirche umgedeckt und z.T. neu gedeckt, die Flachdecken des Innenraumes restauriert und Mauerwerksschäden saniert. Mit der Gründung der Stiftung werden ab 2004 weitere wichtige Bau- und Restaurierungsvorhaben realisiert. Durch die Beräumung des Klausur-Westflügels ergibt sich 2005 die Möglichkeit, im Rahmen eines Förderprojektes professionelle Bauforschung zu betreiben – Voraussetzung für künftige Nutzungen des Gebäudes. Im Ostflügel der Klausur wird der zur ehem. Spritbrennerei gehörende sog. Brüdersaal freigeräumt, schrittweise restauriert und für die Besichtigung freigegeben. Zur Sicherung der historischen Bausubstanz erfolgte im Rahmen eines umfangreichen Hüllensanierungs-Programms 2006/08 die Sanierung der Dachstühle im Süd- und Westflügel mit Neueindeckung der Dächer, Sanierung des Mauerwerks, Einbau neuer Fenster, sowie Maßnahmen zur Sicherung der Tragfähigkeit in den Gebäuden.

Der Zustand der Fenster, die im 19. Jahrhundert im Zuge der Restaurierung als rautenförmige Blankverglasung in gusseisernen Rahmen eingesetzt wurden, machte es im frühen 21. Jahrhundert notwendig, über eine Neugestaltung der Fenster nachzudenken. Verschiedene Künstler mit Erfahrungen in der Verglasung baugeschichtlich hochkarätiger romanischer Räume wurden gebeten, im Rahmen eines Gutachterverfahrens Vorschläge für eine neue Verglasung vorzulegen. Als Rahmenzielsetzung wurde verabredet, dass es zu einer lichtdämpfenden Verglasung in einer farblich und kompositorisch sehr zurückhaltenden Gestaltung kommen soll, die sich einerseits über eine bloß kunsthandwerkliche Schließung der Fensteröffnungen erhebt, andererseits aber durch ausgeprägte serielle Dezenz die Einheit des Raumbildes in einer Weise unterstreicht, wie sie in der jetzt gegebenen Fassung vor Augen steht. Im Ergebnis der Präsentation der Entwürfe entschied sich die Kommission übereinstimmend für die Konzeption von Jochem Poensgen. Die Ausführung 2007-09 wurde der Firma Hein-Derix in Kevelar übertragen.

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