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Romanik

Erst um 1830 führte der Franzose S. Boisserée den Begriff „Romanik“ ein, der eine kunstgeschichtliche Epoche des Mittelalters charakterisiert. Die Stilrichtung fand ihre Bezeichnung in Analogie zum Begriff „Romanische Sprachen“, der auf die Herkunft aus der römisch-lateinischen Sprache hinweist. Anders als die Bezeichnung es assoziieren lässt, ist „Romanik“ aber nicht mit „Römischer Kunst“ gleichzusetzen. Seit dem Untergang des Römischen Reichs im 5. Jahrhundert n.Chr. gilt die Romanik mit ihren Werken in Malerei, Plastik und Architektur als erste große einheitliche Kunstepoche, die sich überall in Europa etwa seit dem 10. bis ca. zum 13. Jahrhundert mit spezifischen Kennzeichen ausbreitet. Nicht unwesentlichen Anteil an dieser Entwicklung trugen dabei die vielen Klostergemeinschaften.

 

Eine strikte Abgrenzung zu früheren Stilepochen ist nicht möglich, vielmehr kann wohl von einer Entwicklung in der Kunst gesprochen werden. Innerhalb der romanischen Architektur finden sich typische Elemente, wie Rundbögen, Säulen, Pfeiler- und Gewölbeformen, die an eine Verwandtschaft zur römischen Baukunst denken lassen. Viele Formen weisen darüber hinaus eine Verfeinerung auf, zumeist regional und zeitlich differenziert. Bei der Verwendung des in der mittel- und norddeutschen Region im 12. Jahrhundert noch wenig bekannten Baumaterials Backstein, wie er beim Bau des Jerichower Klosters zum Einsatz kam, können Umformungen und Neuerungen ebenfalls beobachtet werden. 

 

Neu waren reiche Verzierungen z.B. im Innenraum oder an Kirchenportalen. Besonders die  Kapitelle waren reich gestaltet. Die Grundformen des Mauerwerkes wurden äußerlich durch Sockel, Lisenen, Pilaster, Halbsäulen, Gesimse und Galerien gegliedert. Die Mauern können, wie am Kloster Jerichow, durch verschiedene geometrische Friese verziert sein.

 

Aufbau und Gestaltung der Sakralbauten standen dabei in Abhängigkeit zu Nutzung und liturgischen Anforderungen. Kirchengebäude der Romanik weisen daher als Neuerung häufig einen unterirdischen Bereich auf - die Krypta, die zumeist als Grablege genutzt wurde. Über einer solchen Krypta entstand in Jerichow im gleichen Zuge der Hohe Chor. Dadurch erhielt der Raum für den Hauptaltar einen besonderen Platz und wurde architektonisch hervorgehoben. In der Frühzeit der Romanik hatten die Kirchen Flachdächer. Erst ab dem 11. Jahrhundert setzte sich zunächst in Frankreich, dann auch in der Lombardei und in Deutschland das Kreuzgratgewölbe durch, das in vielen Abschnitten im Klosters verbaut wurde.

 

Die Gotik als die der Romanik nachfolgende Epoche zeichnet sich wiederum durch eine Überformung der Stilelemente aus. So wurde z.B. das Kreuzgrat- zu einem Kreuzrippengewölbe entwickelt. Gerade in den mittelalterlichen Hansestädten Norddeutschlands gelangt der Baustil der Backsteingotik zu besonderer Blühte. Auf dem Wege dahin spielte das Kloster Jerichow als früher monumentaler Backsteinbau und seine Umgebung als frühe Backsteinlandschaft Norddeutschlands eine wichtige Rolle.

 

 

 

Kirche Innen 3.jpg

Krypta der Klosterkirche St. Marien & St. Nicolai in Jerichow

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